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Bandscheibenvorfall- ein Abend für Leute mit Haltungsschäden

Burgau In Burgau gab es am Freitagabend drei Premieren: Das Stück „Bandscheibenvorfall“ wurde erstmals aufgeführt, der Jaserstadel wurde erstmals als Spielstätte benutzt, das ehemalige Kramerhof-Ensemble spielte erstmals unter dem Namen „Neues Theater Burgau“. Die ersten Worte auf der neuen Bühne in der Tellerstraße sprach Robert Baumeister, der Vorsitzende des Fördervereins. Er bedankte sich beim Eigentümer Michael Mengele, der die Arbeiten des Architekten und der Handwerker koordinierte. „Mit großem Verstand hat er den Jaserstadel von Grund auf saniert“. Auch den Sponsoren Ernst Klimmer und Roland Thoma sprach Baumeister seinen Dank aus.

Es folgte ein Stück, das schwer zu fassen ist, aber gerade deshalb den Schauspielern viele Ausdrucksmöglichkeiten bietet: „Bandscheibenvorfall – ein Abend für Leute mit Haltungsschäden“. Das Schauspiel von Ingrid Larsund in der Inszenierung von Kathrin Hötzel wechselt oft zwischen verschiedenen Ebenen hin und her. Zum Beispiel zwischen der realen und der symbolischen. Das Stück versammelt drei Damen und zwei Herren im Vorzimmer eines mysteriösen Chefs, den der Zuschauer nie zu Gesicht bekommt. Das Publikum weiß nur: Es geht um „das neue Konzept“. Mit Ordnern bewaffnet, tauschen die Angestellten nach einem dynamischen „Morgen!“ mit immer bissiger werdenden Gesichtern allerlei Plattheiten aus, bis sie zu Kampfhunden werden, die sich zerfleischen.

Zur Zusammenarbeit verdonnert

Einen harten Kampf hinter einem oberflächlich flachen Gespräch liefern sich auch Frau Hufschmied (Marion Wessely) und Frau Schmid (Yasemin Kont), die der Chef zum Zusammenarbeiten verdonnert hat. Schließlich liegen bei allen die Nerven blank, durch die zahlreichen Demütigungen des Chefs.

Feueralarmmäßig, mit einem tiefen, schrillenden Glockenton und rotem Blinklicht, ruft der Chef die einzelnen Angestellten immer wieder zu sich. Wenn sie das Zimmer des Chefs verlassen, tragen sie die Attribute ihrer Demütigung: Herr Kretzky (Sven Clos) lässt sich immer wieder „zum Kasper machen“ und trägt einen Partyhut.

Frau Kristensen (Dörte Trauzeddel) hat zuerst die Schere im Rücken, dann sogar ein Beil im Kopf. Trotzdem sagt sie ganz psychotantenmäßig: „Das war ein gutes Gespräch!“ Zwischen diesen beiden scheint sich eine Romanze anzubahnen. Zuerst unterhalten sie sich darüber, ob sie Gesten vor dem Spiegel üben. Als der Kollege Kruse (Olaf Ude) später eine abfällige Bemerkung über Kristensen macht, kassiert er eine Ohrfeige. Als er von Kretzky vergeblich Entschuldigung fordert, kassiert er nach und nach zehn weitere Ohrfeigen. Die so entstandenen zarten Bande werden aber bald wieder zerstört. Als Kretzky Kristensen nach einem Kugelschreiber fragt, kommt es bei ihr zu einem eruptiven Ausbruch mit dem Schluss: „Sie sind wirklich ein Arschloch!“ Denn sie empfindet die Frage nach dem Kugelschreiber als „übergriffig“.

Erst gegen Ende des Stückes kommen sich plötzlich alle näher. In großen Monologen resümieren sie, wie sie sich für die Karriere verbogen haben. „Ich möchte nicht mehr funktionieren müssen“, sagt Frau Schmid und legt sich wie ein Embryo auf den Boden. „Ich möchte wieder eine Wirbelsäule haben“, sagt Herr Kretzky. Zusammen bieten alle ein fulminantes Finale mit „Always look on the bright side of life“, dem Lied der Gekreuzigten aus „Das Leben des Brian“.

Am Ende der dreistündigen Aufführung steht donnernder Applaus. Die fünf Akteure haben nicht minder herzliche Dankesworte für ihr Publikum: „Ohne Sie gäbe es dieses Haus nicht“, sagt Dörte Trauzeddel. Zwei werden dann mit einem symbolischen Geschenk geehrt. Einen Ehrenplatz, also einen Theaterstuhl mit seinem Namen, gibt es für Robert Baumeister. Laut Yasemin Kont ist der Vorsitzende des Fördervereins „die Feuerwehr, wenn wir nicht professionell oder wirtschaftlich genug denken“. Den Ehrenplatz an seiner Seite erhält Michael Mengele. Der Eigentümer des Jaserstadels koordinierte nicht nur die Bauarbeiten, er arbeitete auch selbst viele Stunden auf der Baustelle. Außerdem sorgte er als Vermieter mit einem Sechsjahresvertrag für die Zukunft des Theaters

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