Presse

T(w)o embody

Emotional mal zwei
Uraufführung. Burgauer Tanztheater „T(w)o embody“ feiert grandiosen Erfolg
Von Helmut Kircher

Eine illusionslos roh belassene Bühne. Leer. Schwarz. Im seitlichen Scheinwerferkegel schälen sich zwei Körper aus dem Dunkeln. Am Boden liegend. Kommunikativer Leerlauf. In Stille erstarrter Denkanreiz. Tanztheater. Das Neue Theater Burgau will sich damit – in Koproduktion mit dem Akademietheater Ulm – einen Imageschub verpassen, neue Wege gehen, zu neuen Ufern vordringen. Mit der Eigenchoreografie „T(w)o embody“. Eine zeitgenössische Tanzperformance für zwei Tänzer oder Schauspieldarstellerinnen.
Die eine, Heidi Schnirch, zeigt im Spannungsgehalt fließender, energiegeladener Bewegungen ihre Wurzeln als gelernte zeitgenössische Tänzerin, die andere, Yasemin Kont, outet sich als tänzerischer Joker, kann ihre technische Differenz mit dynamischem Einsatz kompensieren und noch einen Bonus in Form schauspielerisch phänomenaler Bühnenpräsenz ins Spiel bringen. Aber! – erhebt sich an dieser Stelle nicht die existenzielle Frage über Sein oder Nichtsein neuzeitlicher Theaterformen, die Frage: Kann man das enorme Risiko des Nicht-verstanden-Werdens eingehen? Doch, man kann. Weil dies gar nicht die Frage ist. Denn die Frage kann nur lauten: Spricht das, was auf der Bühne passiert, die Menschen an? Ja, denn was die beiden Darsteller-Tänzerinnen in einem fast einstündigen Pas de deux der Emotionen, mit einer bis an die körperlichen Grenzen gehenden Wucht, Brisanz und ironisch fließender Leichtigkeit auf die Bühne schleudern, ist Tanztheater wie es mitreißender und humorig gewürzter nicht sein könnte. Yasemin Kont und Heidi Schirch haben mit und durch die Sprache des Tanzes nach Atemluft ringend und in Schweiß gebadet ein spannendes, unterhaltsames Gesamtkunstwerk geschaffen, persönlichkeitsstark und hoch motiviert. Und das Publikum, gefesselt und gebannt, hat jedes Wort verstanden. Und noch zwei Pluspunkte: Mal kein Vollbad in düstersten Seelenabgründen, sondern eine positive Menschsicht und – eine fabelhafte neue Tänzerin. Frenetischer, langanhaltender Beifall.

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